
Das Kartengeschäft - ein interessanter zweiseitiger (!) Markt - Das Zahlen mit Karten ist für weite Teile der Bevölkerung zu einer Selbstverständlichkeit geworden - nicht immer, aber immer öfter. Mit dem Kartengeschäft beschäftigen sich Gerd Cimiotti, Geschäftsführer der SRC Security Research & Consulting GmbH, Bonn, und Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Deutschen Genossenschafts-Verlages eG, in ihrem Buch Das Kartengeschäft zwischen Convenience, Effizienz und Profitablität, Fritz Knapp Verlag, Frankfurt/Main 2008, ISBN 978 3 8314 1226 6. Sie versuchen dabei das Kartengeschäft weniger historisch zu betrachten als vielmehr dessen Zukunft auszuloten. Die Autoren sehen den Kern des Erfolgs der Karten darin, dass sie sowohl für die Karteninhaber als auch für die Karten akzeptierenden Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit mehr Bequemlichkeit verbunden sind. Ergänzend dazu sehen sie für alle Beteiligten in einem 4-Parteien-System Vorteile über ein Mehr an Bequemlichkeit hinaus: für die Issuer, die Emittenten der Karten, führen die Karten zur verstärkten Kundenbindung, ihre Kunden, die Karteninhaber, sind around the world, around the clock liquide, die Kartenakzeptanten können mit zahlungsbereiten Kunden risikolose Umsätze machen. Lediglich für die Acquirer, jene Banken, welche die Abrechnung mit dem Akzeptanten sowie das Clearing und Settlement mit den verschiedensten Kartenemittenten durchführen sehen sie nur harte Arbeit und geringen Lohn. Nach der Einleitung wird von den beiden Autoren auf die Besonderheiten des Kartengeschäfts eingegangen, da es sich signifikant von anderen Geschäften unterscheidet. Es beruht nämlich im hohen Ausmaß auf dem Zusammenspiel zweier Märkte - dem Markt der Kartenausgabe, dem Issuing, und dem Markt der Akzeptantenabrechnung, dem Acquiring. Hierbei wird auf die Notwendigkeit eines zentralen Interessenausgleichs zwischen den beiden Märkten und insbesondere zwischen den Issuern und den Acquirern betont. Des weiteren werden der strategischen Rahmen des Kartengeschäfts unter mehreren Gesichtspunkten, die Ziele der Kartenemittenten, der Kartenakzeptanten und der Zahlungssysteme, die Instrumente im Karten(emissions)geschäft samt Business Cases dargestellt. In Hinblick auf die Business Cases wird darauf hingewiesen, dass das angestrebte Geschäftsmodell nachhaltig sein soll (was angesichts der Ungewissheit über die Zukunft der Interchange Fee, dem Transmissionsriemen zwischen Acquiring und Issuing, nicht leicht ist). Insgesamt liegt mit diesem Buch, das auf 123 Seiten viele Probleme nur anreißen konnte, ein hervorragender systemischer Überblick über die meisten Facetten des Kartengeschäfts vor, das wie kaum ein anderes Business davon lebt, dass die verschiedenen Parteien positive Nutzeffekte (Karteninhaber und Kartenakzeptanten) oder positive Business Cases (Issuer und Acquirer) haben müssen.